/Gott wartet und klopft an

Gott wartet und klopft an

Ein Vormittag im Advent: Das Wartezimmer ist fast leer. Nur ein Stuhl ist belegt. Ich setze mich und warte.Nach kurzer Zeit holt die Zahnarzthelferin meine Sitznachbarin zur Behandlung ab. Ich warte. Je länger ich warte, desto mehr ärgere ich mich, dass ich hier einfach sitze und warte. Ich warte und ärgere mich – vor allem über meinen Ärger. Nach knapp 45 Minuten hat das Warten ein Ende, die Behandlung eines anderen Patienten hatte länger gedauert als erwartet!

Szenenwechsel: Mit einem Mitbruder fahre ich durch die Stadt. Wir beide eilen zu Terminen. Er seufzt über die vielen Dinge, die in der Adventszeit anstehen: „Wir sollten viel weniger darüber predigen, sich im Advent Zeit zu nehmen, sondern es einfach mal selbst tun.“

Auch der Advent ist eine Wartezeit; eine ganz andere als die beim Zahnarzt. Die eine Wartezeit fühlt sich leer an, die andere ist oft vollgestopft mit scheinbar besinnlichem Betrieb – besonders in diesem Jahr mit nur drei Adventswochen.
In der einen Wartezeit warte ich darauf, dass etwas passiert, in der anderen warte ich auf Ruhe.
Keine von beiden stellt mich wirklich zufrieden.

Helfen kann Paulus mit seinem Appell: „Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles!“ (1 Thess 5, 16-18). Ein Zitat aus der Lesung am dritten Advent.
Es geht um die Perspektive: Gucke ich auf das, was gerade fehlt, oder setze ich die „paulinische Brille“ von Freude, Gebet und Dankbarkeit auf?

Die „paulinische Brille“ verkürzt weder die Wartezeit beim Zahnarzt noch streicht sie adventliche Termine aus meinem Kalender. Aber sie kann meinen Blick schärfen: Die Freude darüber, im Wartezimmer endlich mal wieder lesen zu können und Zeit für Ruhe zu haben. Dankbarkeit, dass meine Behandlung problemlos verlief und für die vielen Beziehungen, die mir besonders im Advent wieder bewusst werden.

Freude und Dankbarkeit helfen mir ins Gebet zu kommen. Es sind die Augenblicke, in denen Gott auf mich wartet. Egal ob im Wartezimmer oder im vollen Terminkalender – Gott sucht sich seine Wege, um an meine Tür zu klopfen. Nur ihm zu öffnen, fällt manchmal hinten über.
Das ist kein neues Phänomen: „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt“ (Joh 1, 26), sagt schon Johannes der Täufer zu seiner Generation.

Freude, Gebet und Dankbarkeit können Türöffner sein für den Gott, der wartet und klopft. Worauf warte ich noch?