/Wahrheit und Freiheit?!

Wahrheit und Freiheit?!

Geistlicher Impuls zum Advent von Michael Raab

„Die Wahrheit wird euch frei machen.“ – Dieses Wort Jesu aus dem Johannesevangelium kommt mir in den letzten Wochen immer wieder in den Sinn, wenn ich so auf die weltpolitische Bühne schaue, die mir ehrlicherweise manchmal Angst macht.

Aber wie schaut´s eigentlich bei mir aus? Alles im Reinen? Schon vorbereitet auf Weihnachten? Also nicht nur die Wohnung geschmückt, sondern „innendrin“? Alles wahr, alles frei? Kein Verstellen, kein Theater?

Zu Beginn des neuen Kirchenjahres will uns die Adventszeit neu vorbereiten und einstimmen auf das Fest der Menschwerdung Gottes in der Welt. Aber irgendwie ist die Vorbereitung doch immer mehr schon mit Festtagsstimmung überlagert. Der Advent als Zeit der Vorbereitung fällt oft schon aus, weil überall schon Christbäume und Weihnachtsgebäck und –musik und und und zu sehen, zu schmecken und zu hören sind. Kaum ein Fest kündigt sich so sehr durch das Licht an wie Weihnachten. Überall sieht man in diesen Tagen schon den Lichterschein von Kerzen und vielfältigem, manchmal auch schrecklichem, elektrischem Lichterglanz. Es wird in den kommenden Wochen auch gesungen werden vom „Licht, das die Nacht erhellt“, vom „hellen Stern in der dunklen Nacht“ und vom „Blümelein“, das mit seinem hellen Schein die Finsternis vertreibt. Und auch aus den Evangelientexten rund um Weihnachten kennen wir Passagen zum Licht: Der Engel, der den Hirten von der Geburt Jesu berichtet, erstrahlt in hellem Licht und taucht die Hirten in den „Glanz des Herrn“ (Lk 2,9), und die Sterndeuter folgen dem hellen Stern, bis dieser an der Stelle stehenbleibt, wo sie das Kind finden (Mt 2).

Was wir nicht vergessen dürfen: In ihrer ursprünglichen Bedeutung sind all diese Lichter Zeichen für das Licht der Welt, für Jesus Christus selbst, in dem Gott Mensch wird. Er selbst ist der „Morgenstern der finstern Nacht, der die Welt voll Freuden macht“. Er selbst ist der Glanz des Herrn, der Sohn ist der „Abglanz des Vaters“, der an Weihnachten „erscheint in unserm Fleisch“ (aus dem Lied: Herbei, o ihr Gläubigen ).

Nicht für sich selbst wird Gott Mensch, kommt Gottes Glanz auf die Erde, sondern für uns und zu unserem Heil. Christus bringt Licht in unser Leben. In all das, was schon hell und freudig ist, aber auch in all das, was dunkel und traurig ist. Er „erleuchtet alles gar, was jetzt ist und kommt und war“ (aus: Morgenstern der finstren Nacht). Er bringt alles ans und ins Licht. In seinem Licht kommt alle Wahrheit zu Tage, auch das, was wir am liebsten tief in uns verschließen würden. Aber für nichts davon müssten wir uns schämen oder fürchten. In Christus wird Wirklichkeit, was der Psalm 43 erbittet: „Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, damit sie mich leiten.“ (Ps 43,3) Dieses Licht leuchtet uns den Weg, den wir gehen sollen, das Licht selbst, Jesus Christus, ist uns „Weg, Wahrheit und Leben“ (vgl. Joh 14,6). Dieser Weg engt uns in keiner Weise ein, im Gegenteil. Er lässt uns Raum und Ent- scheidungsfreiheit, ganz so, wie die Hirten frei waren zur Krippe zu gehen, frei wie sie, zu schauen, was da in Bethlehem passierte und es zu bedenken und sich vollkommen erfüllen zu lassen vom Glanz des Herrn.

Meine Hoffnung und meine Bitte für diesen Advent?
„Komm herein, Jesus mein, leucht´ in meines Herzens Schrein“ und leite mich auf dem Weg in Deine Freiheit!

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