/#heimkommen

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Wieder einmal erregt eine Weihnachtswerbung die Gemüter Deutschlands. Vor ein paar Jahren war es Media-Markt mit seinem Slogan „Weihnachten wird unter dem Baum entschieden“, der viele Menschen, besonders uns Christen, auf die Barrikaden gebracht und erzürnt hat. In diesem Jahr ist es etwas anders: Edeka hat mit seinem Spot „Zeit heimzukommen“ scheinbar bei vielen den richtigen Nerv getroffen, trotzdem wird er aber auch sehr kritisch gesehen.

Folgendes passiert in dem Spot: Ein Rentner vom Typ gemütlicher, kleiner Großvater betritt seine Wohnung, hört die Absage seiner Tochter zu den Weihnachtsfeiertagen auf dem Anrufbeantworter und stellt eine Weihnachtskarte seiner Familie auf den Kamin. Derweil sieht er aus dem Fenster, wie die Kinder seiner Nachbarn heimkommen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Er sitzt nun einsam an seinem großen Esstisch vor dem Weihnachtsmenü, hinter ihm ist der geschmückte Tannenbaum zu sehen. Nun erfolgt ein Szenenwechsel: Seine drei Kinder erhalten auf verschiedene Art und Weise die Nachricht vom Tod des Vaters, die einen per Post und die anderen über ihr Smartphone. Sie machen sich nun alle auf den Weg nach Hause und treffen schwarz gekleidet vor dem Haus ihres Vaters ein. Drinnen erleben sie eine wahre Überraschung: der Tisch ist gedeckt und das Esszimmer leuchtet warm und einladend. Sie schauen etwas verdutzt und plötzlich kommt der alte Mann aus der Küche und sagt den einzigen Satz in diesem Spot: „Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?“ Es folgt eine ausgiebige und freudige Weihnachtsfeier, die ganze Familie ist nun an einem Tisch versammelt und freut sich. Zum Schluss wird der Satz eingeblendet „Zeit heimzukommen“.

Die Kritiker sagen, dass sie den Spot zynisch finden und sind der Ansicht, dass mit Gefühlen gespielt wird und sie fragen sich, wie viel es mit echter Heimat und familiärer Nähe zu tun habe, wenn ein Mensch erst vorgeben muss, dass er gestorben ist, um seine Familie an einem Tisch zusammen-zubringen?

Mich persönlich hat der Spot aber sehr angerührt, weil er deutlich macht, wie sehr Weihnachten ein Familienfest und ein Fest der Liebe ist. Ein Fest, wo die Liebe Gottes zu uns Menschen sichtbar und spürbar wird und nicht nur die Liebe Gottes zu uns Menschen, sondern auch der Menschen untereinander. Gott kommt in einem kleinen Kind in unsere Welt und um das Kind herum versammelten sich Maria und Josef, die Hirten, die Engel, die Schafe, Ochse und Esel und feiern die Geburt dieses außergewöhnlichen Kindes. Sie geben dem Neugeborenen das Gefühl von Wärme, Geborgenheit, Angenommensein und Heimat. Es ist anzunehmen, dass sich die Menschen, die sich damals um die Krippe versammelten, überhaupt nicht kannten, aber sie freuten sich und feierten gemeinsam, sie wurden in diesem Moment zu einer großen Familie, zur Familie Gottes.

Für mich ist es sehr wichtig neben der Feier im Kreis der Mitbrüder eben auch an Weihnachten zu meiner Familie zu fahren, heimzukommen. Meine Familie ist für mich auch ein Stück Heimat. Heimkommen beschränke ich nicht nur auf den Besuch an Weihnachten, aber den finde ich besonders wichtig. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es eine besondere Freude und ein Geschenk ist, wenn die Familie nach Jahren des getrennten Feierns wieder gemeinsam Weihnachten feiern kann.

Gerade in diesem Jahr haben wir erlebt, wie viele Menschen ihre Heimat verlassen mussten, weil dort Krieg, Terror und Gewalt herrschen. Viele von ihnen mussten auch ihre Familie zurücklassen und können in diesem Jahr nicht gemeinsam mit ihrer Familie Weihnachten feiern und sie können schon gar nicht, heimkommen, weil in ihrer Heimat immer noch Krieg herrscht. Es ist wunderbar und vielleicht ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, zu sehen, wie sehr die Menschen, die auf der Flucht sind, in unserem Land willkommen geheißen werden, wie ihnen geholfen wird. Da wird für mich die Liebe Gottes unter den Menschen sichtbar. Menschen schenken anderen wildfremden Menschen Wärme, Liebe und Zuneigung, so dass sie sich angenommen und sicher fühlen können bei uns. Das zu sehen und zu erleben, erfüllt mich mit großer Freude. Vielleicht können wir den Menschen auf der Flucht, ein Stück Heimat in unserem Land geben, besonders – aber nicht nur – an Weihnachten.

Wir wünschen Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie eine gute Zeit und ein Gefühl des Heimkommens!

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