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Lehre mich begreifen

Geistlicher Impuls zum Osterfest 2015 von fr. Augustinus Hildebrandt OP

„Begreift ihr, was ich an euch getan habe“ (Joh 13,12) 

Diese Frage haben wir von Jesus am Gründonnerstag gehört. Offensichtlich haben die Jünger es nicht wirklich begriffen. Sie liefen davon verstört, verängstigt, enttäuscht, ratlos. Und viele dieser Gefühle finden sich auch am Beginn des Evangeliums vom Ostermontag wieder. Zwei Jünger auf dem Weg, ja vielmehr sogar auf der Flucht. Sie fliehen vor all dem, was in den letzten Tagen in Jerusalem auf sie eingeprasselt ist, vor der Angst, die sie am Abend des Verrates gepackt hatte, vor der Verstörung des Kreuzes, das dem Menschen auf den Sie so viele Hoffnungen gesetzt hatten, ein Ende bereitete und vor der Enttäuschung, das Gott das alles hat geschehen lassen. All das bricht aus ihnen heraus, als ein Fremder sich zu ihnen gesellt.

Und da begegnet sie uns wieder diese Frage:

„Begreift ihr denn nicht?“ (Lk 24,25) Nein, sie begreifen nicht. Nichts kann sie wirklich überzeugen, nicht die Botschaft der Frauen, nicht das leere Grab. Ja nicht einmal die Heilige Schrift schafft es all ihre Zweifel und ihren Frust ganz zu durchbrechen. Erst als sie sich ganz auf eine Begegnung mit dem ihnen Fremden einlassen, ihn bei sich einlassen, verändert sich etwas. Plötzlich erkennen sie in dem Fremden den Auferstandenen. Erst die Begegnung mit Jesus öffnet ihnen die Augen und lässt sie endlich begreifen. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber ich stehe jedes Jahr auf neue sprachlos vor der Intensität, mit der uns die Liturgie der heiligen drei Tage von Gründonnerstag, über Karfreitag bis zur Osternacht, das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu vor Augen stellt. Ich spüre jedes Jahr aufs Neue, dass ich nicht mahl einen Bruchteil dessen begreife, was Jesus für mich, für einen jeden von uns getan hat. Es ist gut, das wir 50 Tage Ostern feiern, um uns die Zeit zu nehmen, zu verstehen.

„Begreifst du denn nicht?“ Diese Frage stellt Jesus auch mir und einem jeden von uns. Und ich möchte Antworten: „Nein Herr, ich begreife es noch nicht. Aber wenn du mir hilfst, wenn du mir die Schrift deutest und mir das Brot brichst, wenn du mir ganz nah kommst, damit ich es spüren kann, dann werde ich einmal Begreifen. Dann werde ich voll Freude ausrufen:

Halleluja, der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden und ich bin ihm begegnet! Halleluja!

 

In diesem Sinne wünscht Ihnen das gesamte Team von gerne-katholisch.de ein gesegnetes und von Freude erfülltes Fest der Auferstehung des Herrn!

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