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Vom Tod zum Leben

Geistlicher Impuls zum Osterfest von Mareike Jauß

„Jesus darf nicht sterben“, überschrieb Matthias Schmidt seinen Impuls zur Karwoche – und drückte damit wohl die alljährliche Gefühlslage vieler Christen aus. Denn machen wir uns nichts vor: Das Kreuz ist und bleibt besch… und die Frage Jesu nach dem Warum unbeantwortet.

Nein, der Karfreitag kann auch mit dem Wissen um Ostern nicht verharmlost werden. Manchmal denken wir: An Karfreitag ist der Tod dran und an Ostern das Leben – damit ist der Tod erledigt. Und weil wir immer schon von Ostern wissen, ist der Karfreitag nicht mehr ganz so ernst zu nehmen, sondern eher unter der Kategorie „Panne“ zu verbuchen.

Aber der Tod ist nie einfach erledigt, auch nicht an Ostern. Die Wunden Jesu bleiben für immer die Merkmale, an denen er identifiziert wird. Seine Jünger erkennen ihn nicht an seinem Aussehen oder seinem Besitz, sondern an seinen Wunden. Sie sind an Ostern nicht einfach weg, sondern sind tief eingegraben in seine Existenz.

Wir erkennen den Auferstandenen nicht an dem, was er hat, sondern daran, was er gegeben hat. Und damit bekommt unser Leben eine völlig neue Richtung: Ostern zeigt uns, dass es möglich ist, nicht nur – biologisch – vom Leben zum Tod zu leben, sondern auch umgekehrt vom Tod zum Leben. Vom Tod zum Leben! Wir erreichen Ostern nicht, indem wir den Tod übergehen, sondern nur, indem wir durch den Tod hindurchgehen.

Wer daran glaubt, für den ändert sich Grundlegendes: Er wird den täglichen Kampf gegen den Tod aufnehmen. Er wird nicht schweigen, wenn er Unrecht oder Unmenschlichkeit sieht, sondern wird dagegen aufstehen im Namen dessen, der vom Tod zum Leben auferstand.

An Ostern glauben, bedeutet nicht, mit einem billigen Optimismus auf ein Happy End zu hoffen. An Ostern glauben, heißt, praktisch zu bezeugen, dass die universale Herrschaft des Todes gebrochen ist. Wer an die Auferstehung glaubt, ergreift Partei für das Leben, wo immer Leben verletzt oder zerstört wird, damit der Tod unter uns nicht das letzte Wort behält.

Die Autorin ist Pastoralassistentin im Bistum Aachen.

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