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Was soll aus dir mal werden?

Das ist die Frage, die hinter dem heutigen Fest Allerheiligen steht.

Wenn Sie jetzt denken: „Heilig werden? Ist doch gar nicht mein Ziel!“, dann zeigt das, wie fremd Heiligkeit doch unserem Alltag ist. Denn mit „Heiligen“ meinen wir im allgemeinen Sprachgebrauch eher eine kleine Gruppe von Menschen, denen die weitaus größere Gruppe der Durchschnittsmenschen mit ihren Fehlern und Schwächen gegenübersteht. Mehr noch: Mit dem Ausspruch „Der ist ja vielleicht heilig!“, beschreibt man mitunter Spaßbremsen, Besserwisser oder Menschen, die die Einhaltung von Regeln über alles andere stellen. Kurzum: Heiligkeit scheint eher etwas für Ausnahmegestalten zu sein und rückt so in unerreichbare (und vielleicht auch gewollte) Ferne.

Was also hat Allerheiligen mit mir zu tun? Gehen wir von der Wortbedeutung aus, dann hat „heilig“ immer auch etwas mit „Heil“, also „ganz sein“ zu tun. Im Neuen Testament meint heilig „von Gott berufen“. Heil bzw. heilig sind wir also, wenn wir so werden, wie Gott uns gedacht hat.

Dabei geht es also weder um fromme Selbstverleugnung oder Weltflucht noch um ein Ausnahmeleben, das jedem normalen Menschen zu hoch ist. Im Gegenteil: Es geht darum, immer mehr zu mir selbst zu finden, immer mehr im Einklang mit mir selbst und damit unweigerlich auch mit Gott zu stehen. Es geht um ein „Mehr“ an Leben, weil ich zum Leben berufen bin.

Aber wie finde ich dieses „Mehr“ an Leben? Im Evangelium des heutigen Tages gibt Jesus einige entscheidende Tipps: „Selig, die keine Gewalt anwenden… Selig die Barmherzigen… selig, die Frieden stiften…“. Er mahnt uns, „andere“ Erfahrungen zu machen. Nicht gemütlich an der Oberfläche zu bleiben, sondern einzutauchen in die Tiefe des Lebens. Das bedeutet auch, sich mit dem Leid und den schweren Seiten des Lebens konfrontieren zu lassen. Denn nur wer die Tiefe des Lebens erfährt, gelangt auch zu einem „Mehr“.

Allerheiligen erinnert mich an meine Berufung zum Leben. Es mahnt mich, meine Sehnsucht nach einem „anderen“, nach „mehr“ Leben nicht zu verlieren. Nicht eine Zufriedenheit anzustreben, die satt und träge macht, sondern mit Leidenschaft hinzusehen, wenn es um Unrecht und Leid geht.

Die Heiligen, die wir heute besonders feiern, zeigen mir, dass das möglich ist. Ihre Verdienste müssen mich nicht frustrieren oder demotivieren, weil ich sie nicht kopieren muss. Die große Anzahl der Heiligen zeigt, wie vielfältig Heiligkeit gelebt, erkennbar und spürbar werden kann – im jeweiligen Umfeld, in der jeweiligen Zeit und mit den je eigenen Möglichkeiten. Die Möglichkeiten dazu hat Gott mir bereits geschenkt, indem er mich heilig geschaffen hat.

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