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Was Katholiken alles feiern

Die Kirche hat vor ein paar Tagen das Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel gefeiert.
Da fällt mir auf, dass ich „Die Kirche hat gefeiert“ geschrieben habe und nicht etwa „Wir haben gefeiert“, oder gar „Ich habe gefeiert“. Natürlich feiere auch ich dieses Fest und doch bleibt diese Distanz, bei der ich mich eben selbst erwischt habe. Nicht etwa, das ich besondere theologische Schwierigkeiten mit dem Fest, das landläufig eher „Mariä Himmelfahrt“ genannt wird, hätte. Ich kann die theologische Argumentation die zu der Lehre von der unbefleckten Empfängnis und zur leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel geführt haben, verstehen und auch anerkennen. Es ist eher so, dass mich dieses Fest nicht besonders berührt, es geht mir schlicht nicht nahe.

Nun könnte ich mir den Kopf darüber zerbrechen, woran das liegen mag. Vielleicht sind mir schlicht die Sentimentalität und das volkskirchliche Brauchtum fremd, die mit der Marienverehrung und auch diesem Fest verbunden sind. Sei es drum, am Ende bleibt es dabei, dass ich mit dem Fest nicht viel anfangen kann.

Mich ärgern Sätze wie: „Wenn du das oder das nicht glaubst, bist du nicht katholisch!“

Bin ich jetzt ein schlechter Katholik? Immerhin gilt Mariä Himmelfahrt ja als ein typisch „katholisches“ Fest, wie zum Beispiel Fronleichnam. Protestanten feiern den Reformations- und den Buß- und Bettag, Katholiken eben Fronleichnam und Mariä Himmelfahrt. In dieser konfessionellen Zuspitzung mag es sogar stimmen, dass ich nicht dem Bild des typischen Katholiken entspreche. Aber katholisch meint ja eigentlich etwas anderes. Katholisch kommt vom griechischen kath und olon. To olon heißt das Ganze und katha ist ein Adverb und bedeutet demgemäß oder gleichwie. Zusammen bedeutet katholon also so viel, wie dem Ganzen gemäß. Katholisch ist also das, was zum einen der Offenbarung Gottes als ganzer gerecht wird, aber eben auch das, was der Welt und der Menschheit als Ganzer und damit auch jedem einzelnen gemäß ist.

Mich ärgern Sätze wie: „Wenn das oder das nicht tust/lässt/glaubst bist du nicht katholisch!“ deshalb so sehr, weil sie katholisch damit zu einem Synonym für eine klar umrissene Gruppe mit einem eindeutigen Weltbild und Verhaltenskodex erklären. Das ist aber eher eine Definition für eine Sekte und das Gegenteil von dem, was katholisch meint.

Nein, ich glaube nicht, dass ich ein schlechter Katholik bin, weil ich mit dem Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel nicht allzu viel anzufangen weiß. Manche religiösen Formen sagen uns eben mehr als andere und mache bleiben uns gänzlich fremd. Ich glaube an eine Botschaft die allen Menschen gilt, egal welche kulturelle Prägung, welchen religiösen Hintergrund, welche sexuelle Identität und welche biographischen Wege und Irrungen sie auch immer haben mögen. Die Botschaft, die in Jesus Christus Mensch geworden ist von der Jungfrau Maria, meint jeden Menschen, ohne Unterschied und Bevorzugung, sogar mich, der an diesem Tag eher pflichtschuldig jene Lieder mitsingt, die andere mit Begeisterung schmettern. Darum bin ich „gerne katholisch“!

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