/Geistlicher Impuls zu Weihnachten 2012

Geistlicher Impuls zu Weihnachten 2012

Begegnung. Reisen. Ankommen. Rückkehr. Wohnen. Kind werden.
von unserem Autor Thorsten Laurentius Weber

In diesen Momenten vor dem Weihnachtsfest begegnen wir in den Zügen, auf den Straßen und an den Flughäfen vielen Menschen, die auf dem Weg sind, die sich aufgemacht haben, dorthin, woher sie ursprünglich kommen und wohin sie zumindest einmal im Jahr gehören.

Dieter Schütz / pixelio.de
Dieter Schütz / pixelio.de

Wir reisen zu unseren Eltern, zu unseren Kindern, zu unseren Geschwistern und zu guten Freunden. Das Wiedersehen nach längerer Zeit der Trennung steigert unsere Vorfreude auf die Begegnung. Und wir reisen mit guten Wünschen und Geschenken im Gepäck, damit unserer Freude auch gesteigerter Ausdruck verliehen werde.
Gehen wir zur Stärkung vor der Reise oder in der Freude über eine unfallfreie Ankunft am Zielort dann in die Kirche und feiern „Eucharistie“, also „Danksagung“, so hören wir in der Lesung aus dem Evangelium des Lukas, der ja unser „Weihnachts-Evangelist“ ist.

Wir hören von Maria, die sich auf den Weg macht zu ihrer Cousine Elisabeth. Auch sie, die Gottesgebärerin, ist also auf dem Weg und wir dürfen sie begleiten, wir sind gleichsam die Reisegesellschaft Mariens, wenn wir zu unseren Verwandten und Freunden gehen. Wie schön wäre es, wenn unsere Begegnung mit denen, die wir lange nicht umarmen konnten, so herzlich ausfiele, wie jene, die die Gottesmutter bei Elisabeth erlebt: Nicht nur die beiden werdenden Mütter freuen sich im Wiedersehen innig aneinander, auch das Kind im Leibe Elisabeths, der zukünftige Vorläufer des Herrn, Johannes, hüpft in der Geborgenheit seines Mutterschoßes vor Freude. Und so begegnen sich in der Verborgenheit schon hier jene beiden, Johannes und Jesus, die einst am Jordan offenbaren werden, daß Gott uns nicht allein läßt.

Es ist unsere Sehnsucht, gerade in diesen besonderen Tagen nicht allein gelassen zu werden. Wir sehnen uns danach, nach der Mühsal der Reise in den Begegnungen dieser Tage ankommen zu können bei unseren Gastgebern. Wir sehnen uns danach, herzlich aufgenommen zu werden. Und wir spüren, daß wir in diesen Tagen auch bei uns selbst ankommen möchten. Vielleicht gibt es keine bessere Zeit im Jahr dazu, sich dies wieder neu bewußt zu machen und dieser Sehnsucht in der Ruhe der Weihnacht Raum zu geben. Einmal nicht die festlichen Tage mit Unruhe zu füllen, sondern die Fülle in Ruhe zu erleben.

Als Reisende kehren wir, wie Maria, dorthin zurück, wo wir eigentlich zuhause sind, wo Menschen uns nahe sind. Gott selbst tut dies zu Weihnachten auch: Er will zurückkehren in seine Schöpfung. Er will uns begegnen. Er will bei uns wohnen. Er wird seinen Sohn zum Kind unter uns Menschen machen, ja er gibt uns sein Kind zur Obhut. Es soll unter uns aufwachsen. Schon einmal hat er dieses Wunder getan und wir haben es nicht erkannt.

Die Kirche ruft uns in ihrer Liturgie aber immer wieder in Erinnerung, wie und wann Gott an uns handelt: An Gründonnerstag, bei der Einsetzung des Heiligen Abendmahls, ist an der besonders ehrfurcht-gebietenden Stelle der Wandlungsworte im Hochgebet ein „Heute“ eingefügt. Und so dürfen wir auch an Weihnachten dieses „Heute“ in uns hören: Heute ist Euch ein Sohn gegeben, ein wunderbarer Ratgeber und Friedefürst, der uns jenen Frieden schenken will, den die Welt sich selbst nicht geben kann. Denken wir daran, wenn wir unseren Lieben, unseren Kindern die Tür öffnen oder selbst bei unseren Verwandten und Freunden anklopfen und sie nach langer Ankuft in die Arme schließen: Auch Jesus Christus will zu uns zurückkehren, will bei uns ankommen. Gerade wenn wir ihn vielleicht länger nicht besucht oder wenn wir uns zuweilen von ihm getrennt haben. Er und seine jungfräuliche Mutter möchten in der Heiligen Nacht nicht allein bleiben, auch sie und ihr stiller, treuer Begleiter, der heilige Joseph, möchten unsere Familie sein und wie unsere Lieben bei uns wohnen.

Freuen wir uns auf diese Begegnung und schließen wir auch der Heiligen Familie die Kammer unseres Herzens weit auf, damit wir das Schönste geschenkt bekommen: Erfüllt von festlicher Freude die Gnaden der Weihnacht erfahren.

Gesegnete Weihnachten allen, die dies lesen!

Thorsten Laurentius Weber ist Priesterkandidat für das Erzbistum Hamburg.

 

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